Kennst Du das? Spieleabend mit Freunden. Ihr spielt diesen bekannten Klassiker, bei dem man Rohstoffe sammelt und Siedlungen baut. Du brauchst dringend eine 12, um Gold oder Erz zu bekommen. Du schüttelst den Becher, flehst die Würfelgötter an, wirfst ... und es wird eine 7. Schon wieder.
"Diese Würfel sind gezinkt!", rufst Du. Aber ich muss Dich enttäuschen (oder beruhigen): Die Würfel sind nicht kaputt. Sie folgen nur dem Gesetz der Mathematik.
Wenn Du verstehst, warum manche Summen häufiger fallen als andere, hast Du bei fast jedem Brettspiel einen riesigen Strategie-Vorteil. Ich zeige Dir, warum die 7 der König ist und die 2 und 12 die ewigen Außenseiter.
Fangen wir einfach an. Wenn Du einen klassischen Würfel wirfst, ist die Sache simpel. Egal ob 1, 3 oder 6 – jede Zahl hat die genau gleiche Chance. Es gibt 6 Seiten. Die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl ist also:
P = 1/6 ≈ 16,7 %
Hier gibt es keine Strategie. Es ist reines Glück.
Sobald Du einen zweiten Würfel dazunimmst, ändert sich alles. Wir addieren jetzt die Augen beider Würfel. Die möglichen Summen reichen von 2 (1+1) bis 12 (6+6).
Viele denken intuitiv: "Naja, jede Summe von 2 bis 12 ist gleich wahrscheinlich." Und genau das ist der große Irrtum!
Der Zufall interessiert sich nämlich nicht für die Summe, sondern für die Kombination der einzelnen Würfel.
Schauen wir uns die 7 an. Wie können wir sie würfeln?
Es gibt also 6 verschiedene Wege, eine 7 zu würfeln.
Und jetzt die 2 (die "Schlangenaugen"):
Es gibt nur einen einzigen Weg!
Wenn man alle Möglichkeiten aufzeichnet, ergibt sich eine wunderschöne Pyramide. Insgesamt gibt es 6 ⋅ 6 = 36 mögliche Würfel-Paare.
Hier sind Deine Gewinnchancen:
| Summe | Anzahl Kombinationen | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| 2 & 12 | 1 | ca. 2,8 % (Außenseiter) |
| 3 & 11 | 2 | ca. 5,6 % |
| 4 & 10 | 3 | ca. 8,3 % |
| 5 & 9 | 4 | ca. 11,1 % |
| 6 & 8 | 5 | ca. 13,9 % (Gute Chance!) |
| 7 | 6 | ca. 16,7 % (Der König!) |
Aha-Moment für Strategen: Das ist der Grund, warum in vielen Aufbauspielen die Räuber-Figur bei einer 7 aktiviert wird – einfach, weil sie statistisch am häufigsten fällt. Und es ist der Grund, warum Felder mit einer 6 oder 8 oft besonders wertvoll sind: Sie sind nach der 7 die wahrscheinlichsten Ergebnisse. Wer seine Siedlung an eine 2 oder 12 baut, braucht extrem viel Geduld (oder Glück).
Vielleicht spielst Du gerne Fantasy-Rollenspiele ("Pen & Paper") und benutzt einen 20-seitigen Würfel (W20). Hast Du Dich mal gefragt, warum man dort oft nur einen großen Würfel nimmt statt mehrere kleine?
Ganz einfach: Spieledesigner nutzen Mathematik, um Stimmung zu erzeugen.
Ein weiterer Irrglaube betrifft den "Pasch" (zwei gleiche Zahlen, z. B. 3 und 3). Viele Spieler fühlen, dass ein Pasch etwas extrem Seltenes ist – fast wie ein Lottogewinn. Gerade bei Laufspielen, wo man einen Pasch braucht, um aus dem Startfeld oder Gefängnis zu kommen, verzweifelt man oft daran.
Schauen wir auf die Zahlen: Es gibt 6 mögliche Pasche (1+1, 2+2 bis 6+6). Da es insgesamt 36 Kombinationen gibt, ist die Wahrscheinlichkeit:
6 von 36 = 1/6 ≈ 16,7 %
Das ist verblüffend: Die Chance, einen Pasch zu würfeln, ist genauso hoch wie die Chance, eine beliebige 7 zu würfeln! Wenn Du also das nächste Mal auf einen Pasch hoffst: Deine Chancen stehen gar nicht so schlecht – statistisch gesehen klappt es bei jedem 6. Versuch.
Zum Schluss noch eine Warnung von Rechno. Wenn fünfmal hintereinander keine 7 gefallen ist, denken viele: "Jetzt MUSS sie aber kommen! Die ist überfällig!"
Nein. Würfel haben kein Gedächtnis. Für den Würfel ist jeder Wurf ein komplett neues Ereignis. Die Wahrscheinlichkeit für eine 7 ist immer exakt 16,7 %, egal was vorher passiert ist. Verlass Dich also auf die Statistik, aber vertraue nicht darauf, dass der Würfel Dir einen Gefallen schuldet.
Beim Würfeln mit zwei oder mehr Würfeln regiert nicht das Chaos, sondern die Ordnung der Mitte.
Wenn Du das nächste Mal am Spieltisch sitzt, fluche nicht über Dein "Pech", sondern nutze die Wahrscheinlichkeit für Deine Strategie!
Alle Angaben und Berechnungen ohne Gewähr.