Im letzten Artikel haben wir gelernt: Säulen für Zeit, Balken für (lange) Kategorie-Namen. Aber was, wenn Du pro Kategorie mehrere Datenpunkte hast? Zum Beispiel den Umsatz von "Produkt A" und "Produkt B" in jedem Quartal? Hier musst Du die nächste, entscheidende Wahl treffen: gruppiert oder gestapelt?
Die Antwort hängt von einer einzigen Frage ab: Liegt der Fokus auf der Gesamtsumme oder sollen die Einzelteile präzise vergleichen? Deine Wahl entscheidet darüber, welche Aussage Dein Publikum sofort versteht – und welche es garantiert missverstehen wird.
Du willst direkt loslegen? Hier sind Online-Tools für alle Varianten:
Beim gruppierten Diagramm (egal ob Säulen oder Balken) stehen die Werte für "Produkt A" und "Produkt B" nebeneinander in einer Gruppe (z.B. pro Quartal). Die Kernfrage, die dieses Diagramm beantwortet, lautet: "Wie sind die Werte von A, B, C im Vergleich zueinander in je einem Kontext".
Die Superkraft: Die gemeinsame Grundlinie.
Der unschlagbare Vorteil ist: Jede einzelne Säule oder jeder Balken startet auf der Null-Linie. Wie wir im ersten Artikel gelernt haben (Danke, Jacques Bertin!), kann unser Auge Längen auf einer gemeinsamen Basislinie extrem gut und präzise vergleichen.
Der Nachteil: Die Gesamtsumme (A+B) ist nur schwer zu erkennen. Man müsste die Höhen oder Längen mühsam im Kopf addieren. Merke Dir, dass wenn Du ein gruppiertes Diagramm verwendest: die Summe (der Unterkategorien) darf nicht entscheidend für die Aussage sein.
Soweit so abstrakt. Schauen wir das an Beispielen an. Wann sind gruppierte Säulen- und gruppierte Balkendiagramme geeignet?
Hier gilt die Regel aus unserem ersten Artikel: Wenn Deine Haupt-Achse (die X-Achse) eine Zeitachse ist, nimmst Du Säulen, solange es nicht zu voll wird. Du willst also die Entwicklung von Einzelteilen über die Zeit vergleichen.
Klassische Beispiele:
Insbesondere beim dritten Beispiel wird klar: auf die Summe kommt es in diesem Fall überhaupt nicht an, es sei denn es sind alles Deine Websites und Du möchtest Deine Serverkapazität planen oder so.
Immer wenn Deine Haupt-Achse (die Y-Achse) Kategorien (besonders mit langen Namen) hat, nimmst Du Balken. Du willst also die Einzelteile in verschiedenen "Segmenten" vergleichen, wobei die Lesbarkeit der Segment-Namen wichtig ist.
Klassische Beispiele:
Perfekt für den direkten Vergleich von Unter-Kategorien:
Beim gestapelten Diagramm werden die Werte mehrerer Unterkategorien (z.B. verschiedene Produkte oder Antworten) aufeinander gestapelt. Die Kernfrage, die dieses Diagramm beantwortet, lautet: "Wie hoch ist die Gesamtsumme in dieser Kategorie und woraus besteht sie grob? Ist sie höher als in einer anderen Kategorie?"
Die Superkraft: Die Summe ist sofort sichtbar.
Du siehst auf einen Blick, welche Kategorie insgesamt am stärksten war und wie sich die Anteile an dieser Summe verändern.
Der Nachteil: Dieser Diagramm-Typ hat einen gravierenden Nachteil, der oft übersehen wird und Vergleiche ruiniert. Er ist so wichtig, dass er eine eigene Überschrift verdient.
Der entscheidende Nachteil des gestapelten Diagramms heißt: Nur das erste Segment ist präzise vergleichbar – also das unterste bei einem Säulendiagramm oder das linke bei einem Balkendiagramm.
Warum? Nur das erste Segment (z.B. "Produkt A") ruht auf der stabilen Null-Linie. Alle anderen Segmente ("Produkt B", "Produkt C"...) "schweben" auf einem sich ständig ändernden Fundament.
Unser Auge kann die Längen von "schwebenden" Segmenten nicht korrekt vergleichen. Ein Balken für "Produkt B" mag in Q2 kürzer aussehen als in Q3, obwohl der Wert identisch ist – nur weil das Fundament ("Produkt A") in Q2 höher war. Vergleiche zwischen diesen oberen Segmenten sind bestenfalls grobe Schätzungen und oft komplett irreführend.
Genau das ist der tückische Fehler: Ein gestapeltes Diagramm zu wählen, wenn die Zuschauer die Einzelteile (z.B. "Produkt B" in Kategorie X vs. Kategorie Y) präzise vergleichen sollen. Die Wahrnehmungsfalle ruiniert diesen Vergleich garantiert.
Nachdem die entscheidende Wahl ("gestapelt") getroffen wurde und Du Dir der Gefahr bewusst bist, folgt die einfache "goldene Regel" aus unserem ersten Artikel, um die Orientierung festzulegen:
Bereit, die Summen zu zeigen?
Technisch gesehen kannst Du fünf, sechs oder zehn Datenreihen (Unterkategorien) in eine Gruppe packen oder aufeinander stapeln. Aber nur weil es geht, heißt es nicht, dass es sinnvoll ist.
Als Faustregel: Weniger ist mehr. Ein Diagramm mit mehr als 3 (allerhöchstens 4) Datenreihen wird schnell unlesbar. Bei gruppierten Diagrammen wird es zum "Spaghetti-Diagramm", bei gestapelten zu einem unruhigen "Mosaik" oder "Flickenteppich". Dies gilt umso mehr, je weniger Platz Dir für das Diagramm zur Verfügung steht – etwa in einem Dashboard im Gegensatz zu einem vollseitigen Report.
Das Auge kann die vielen Farben und Balken nicht mehr zuordnen und die Muster nicht mehr erfassen. Das nennt man "Cognitive Overload" (kognitive Überlastung). Hier müssen wir klar zwischen dem Arbeiten mit Daten (Analyse) und dem Präsentieren von Daten (Erklärung) unterscheiden:
Der wichtigste Schritt von der Analyse zur Präsentation ist daher oft das intelligente Zusammenfassen (Aggregation). Statt die Tore von "Max", "Anna", "Hannes", "Kai" und "Lisa" einzeln zu zeigen, ist es vielleicht die viel stärkere Erkenntnis, sie nach "Sturm", "Mittelfeld" und "Verteidigung" zu gruppieren. Auch das Zusammenfassen von vielen irrelevanten, kleinen Werten zu einer "Sonstige"-Kategorie schafft ein viel klareres Bild, als lauter winzige "1er-Blöcke" zu zeigen. Wenn diese Aggregation nicht möglich oder sinnvoll ist, solltest Du die Daten auf mehrere Diagramme aufteilen.
Damit Du das Gelernte in Deinem Tool sofort findest, ist es hilfreich zu wissen, dass die Begriffe nicht standardisiert sind. Hier eine kleine Übersetzungshilfe, die meistens passt:
Lass Dich von den Begriffen nicht verwirren. Wichtig ist nur das Konzept: Gruppierst Du die "Datenreihen" (Unterkategorien) nebeneinander oder stapelst Du sie?
Die Wahl ist einfach, wenn Du Deine Kernbotschaft kennst. Vermeide einfach die zwei Kardinalfehler:
Man kann diese beiden Fehler auch so zusammenfassen: In beiden Fällen ignorierst Du, wie unser Gehirn Längen interpretiert. Gruppierte und gestapelte Diagramme nutzen dieselben Daten, aber sie unterstützen völlig unterschiedliche Kernaussagen, weil sie unserem Auge unterschiedliche Längen (die der Teile oder die der Summe) auf einer sauberen Basislinie präsentieren. Die jeweils andere Aussage zu erkennen, kostet Dein Publikum enorme Vorstellungskraft und führt oft zu falschen Schlussfolgerungen. Wähle weise!
Alle Angaben und Berechnungen ohne Gewähr.