Kennst Du das? Die alte Glühbirne im Wohnzimmer ist durchgebrannt. Du gehst in den Supermarkt, kaufst eine moderne LED, schraubst sie rein – und plötzlich sieht Dein gemütliches Sofa aus wie die Wartezone beim Zahnarzt.
Das Licht ist grell, Deine Haut sieht blass aus und die Stimmung ist im Keller. Hast Du die falsche Wattzahl gekauft? Wahrscheinlich nicht. Das Problem ist nicht die Helligkeit, sondern die Farbtemperatur.
Früher, bei der alten Glühbirne, war das einfach: Die war immer "warm". Heute bei LEDs hast Du die Qual der Wahl. Ich erkläre Dir, was es mit den mysteriösen "Kelvin"-Zahlen auf der Packung auf sich hat und welche Lampe in welches Zimmer gehört.
Licht hat eine Farbe. Wenn wir Metall sehr stark erhitzen, fängt es erst an, rot zu glühen, dann gelb, und wenn es extrem heiß ist, wird es weiß bis blau.
Deshalb messen wir die Lichtfarbe in der Einheit Kelvin (K). Die wichtigste Regel, die Du Dir merken musst:
Rechnos Eselsbrücke: Stell Dir ein Feuer vor. Die Glut (unten) ist warm und rot. Stell Dir einen Eisblock vor. Der ist kalt und bläulich. Weniger Kelvin = Mehr Gemütlichkeit.
Damit Du im Baumarkt nicht ratlos vor dem Regal stehst, teilen wir das Licht in drei Gruppen ein. Auf fast jeder LED-Verpackung findest Du einen dieser Begriffe:
Das ist das Licht, das wir von der guten alten Glühbirne kennen (ca. 2700 K). Es wirkt beruhigend, gemütlich und macht eine gesunde Gesichtsfarbe.
Dieses Licht ist "weißer". Es fehlt der Gelbstich, aber es ist noch nicht blau. Es wirkt modern, sauber und fördert die Konzentration, ohne ungemütlich zu sein.
Hier wird es extrem hell und bläulich. Dieses Licht signalisiert dem Körper: "Es ist Mittag, werd wach!" Es zeigt Kontraste extrem gut.
Licht ist nicht nur Deko, es steuert unsere innere Uhr (Biorhythmus). Bläuliches Licht (Tageslichtweiß) unterdrückt das Schlafhormon Melatonin.
Mein Tipp: Nutze im Homeoffice tagsüber kühleres Licht (zum Arbeiten) und schalte abends auf warmes Licht um.
Du nutzt Deinen Esstisch morgens fürs Homeoffice (braucht Konzentration) und abends für ein romantisches Dinner (braucht Gemütlichkeit)? Dann hast Du ein Problem: Eine Lampe kann nicht gleichzeitig 4000 Kelvin und 2700 Kelvin haben.
Oder doch? Hier kommen "Smart Bulbs" oder Lampen mit "CCT" (Correlated Color Temperature) ins Spiel. Bei diesen modernen LEDs kannst Du die Lichtfarbe per App, Fernbedienung oder sogar über den Lichtschalter (durch schnelles An- und Ausschalten) verändern.
Morgens stellst Du auf kühles "Aktiv-Licht", abends auf warmes "Kamin-Licht". Das ist die Königslösung für alle Räume, die mehrfach genutzt werden!
Hast Du schon mal unter einer LED-Lampe gestanden und Deine Haut sah fahl oder das Essen unappetitlich aus, obwohl die Lichtfarbe eigentlich stimmte? Dann liegt das am sogenannten Farbwiedergabeindex (Ra oder CRI).
Viele billige LEDs haben zwar die richtige Farbtemperatur (z. B. Warmweiß), aber sie "verschlucken" bestimmte Farbanteile des Lichts (oft Rot-Töne).
Achte beim Kauf im Kleingedruckten auf "Ra > 90" oder "CRI > 90", besonders im Badezimmer (fürs Make-up) oder über dem Esstisch. Dein Spiegelbild wird es Dir danken!
Pass auf, dass Du zwei Werte auf der Packung nicht durcheinanderbringst:
Du kannst eine Lampe haben, die extrem hell ist (viel Lumen), aber trotzdem gemütlich warm (wenig Kelvin) – und umgekehrt.
Hör auf, nur auf die Wattzahl zu schauen. Die Stimmung in Deinem Raum wird fast allein von der Kelvin-Zahl bestimmt.
Bevor Du jetzt losziehst, um Deine Lampen zu checken: Schau Dir meine Farbtemperatur-Tabelle an.
Alle Angaben und Berechnungen ohne Gewähr.